…Schwere Zeiten…

…Schwere Zeiten…

Achtung, vor dem weiterlesen:

Nichts für schwache Nerven!

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Ich hab lange überlegt ob mal einen Blogpost zu den letzten Woche schreibe oder ob ich es einfach sein lasse letztendlich haben mich zwei Sachen zum positiven überzeugt.

 

Zuerst der wunderbare Blogpost von @proffesorbunsen zum Thema „Die magische soziale Alchemie meiner Timeline“ (was hier auch zur Sprache kommt) und dann die zustimmenden Tweets von @Fritztram und @miinaaa auf die Frage ob ich es machen soll mit dem Post oder nicht.

 

Im Januar 2011 wurde bei mir im rechten Fuss eine Knochenentzündung diagnostiziert die man medikamentös nicht mehr behandeln konnte & die die Ärzte zwang mir ca. 50% meines rechten grossen Zeh’s zu amputieren. Diese Amputation hat mich 9 Monate aus der Bahn geworfen, es gab immer und immer wieder medizinische Rückschläge in der Zeit. Aber auch private… Ich habe gemerkt wie zum eine Teil die „normalen“ Freunde immer weniger wurden bzw. sich nicht gekümmert haben z.B. mal nachfragten wie es mir geht nach 3 Operationen, 1 Monat Krankenhausaufenthalt & 9 Monate Krang geschr. sein.

Aber auf der anderen Seite nahm die Zahl der Bekannten, Freunde & Follower natürlich zu bei Twitter und anderen Social Media Diensten da ich nun nat. die Zeit hatte diese intensiver zu nutzen. Einige fanden sogar richtig gefallen an den „Krankenhausstories aus der Schlossparkklinik Charlottenburg #KH“ wie z.B. @DJ_Biohazard oder @AnneMeyerBerlin. (Sorry, hab nur noch die FB Posts davon gefunden durch Timehob. An die Tweets kommt man sicher nicht mehr ran.)

Zu der Zeit hab ich schon gemerkt was über Twitter alles möglich ist & mich schon ziemlich begeisterte aber im nachhinein gesehen gar nichts gegenüber meinen 17tägigen Krankenhausaufenthalt im März war.

 

Um kurz zurück zur Krankengeschichte zu kommen. Es fing damit an das ich über 2-3 Wochen ununterbrochen hohes Fieber hatte (38,5°C – 40°C) und als ich mich dann endlich aufraffen konnte zum Arzt zu gehen diesbezüglich fanden wir in der Anamnese raus das es wieder mit den Füssen zu tun hatte. Aufgrund der akuten Lage entschied mein Hausarzt mich sofort mit Krankentransport ins Krankenhaus zu schicken, dort sah man das alles gelassener & war der Meinung das könnte alles Ambulant behandelt werden.

Am nächsten Tag bin ich also zu einen von einen Freund empholenen Chirurgen gegangen der sich alles angesehen hat & dann lapidar entschied das man da nicht viel machen könnte und das ich einfach nächste Woche nochmal vorbei schauen sollte. (Ich überlege immernoch diesen Arzt wegen unterlassener Hilfeleistung anzuzeigen bzw. ihn zumindest der Krankenkasse zu melden.)

Da ich nach 9 monatiger Krankheit im jahr 2011 allerdings wusste das da etwas gemacht werden muss, bin ich am nächsten Tag zu einen Chirurgen hier im bezirk gefahren & er hat zum Glück entsprechend reagiert & mich erstmal aus dem Verkehr gezogen. 1 Woche sollte ich wieder zur Kontrolle in die praxis und dort entschied man sich mich zum Rönttgen zu schicken.

Mit einen äussert schlechten Befund (wieder Knochenentzündung aber diesmal in beiden Grosszehen) wurde ich von dort aus sofort ins Krankenhaus Friedrichshain eingewiesen. Diesmal allerdings ohne Krankentransport so das ich noch Gelegenheit hatte nachhause zu fahren und meine Tasche fürs Krankenhaus zu packen. Allerdings sagte man mir in der Praxis nicht das ich mich sofort auf der Station 24 (Plastische Chirurgie) melden soll, so bin ich zur Notaufnahme mit meiner Einweisung & erlebte die längsten 6 Std. die man sich nur denken kann. Die Chirurgen in der Notaufnahme waren der Meinung das es nicht so akut ist & ich mir doch am nächsten Tag ein Termin für eine ihrer Sprechstunden holen soll. (Diesen Termin hätte ich am 16.4. gehabt)

Ich also wieder nachhause und beim nächsten Praxistermin war das Bohei gross, „man hätte auf der Station 24 auf mich gewartet“ etc. Nun ging es also wieder Schlag auf Schlag und ich wurde zum dritten mal innerhalb von 2 Wochen ins Krankenhaus eingewiesen. Die Krankentransportfahrer die zufällig grad in der Praxis waren wurden gleich gebeten mich wieder ins Krankenhaus Friedrichshain zu bringen. Da ich in der Zeit zwischen den Krankenhäusern ziemlich phlegmatisch war stand meine Tasche fürs Krankenhaus glücklicherweise noch zu 3/4 gepackt im Flur also ging es erst nachhause um diese zu holen & dann direkt auf die Station 24.

Angekommen im Krankenhaus ging es erstmal rund. Der zu der Zeit zuständige Stationsarzt sah sich alles an, alle Befunde etc. und sagte schon dort nach 10min. das es sein kann das beide Grosszehen amputiert werden müssen. In dem mom. bricht nat. die Welt zusammen & man ist die einsamste Person der Welt. Klar man kann auf Cool machen aber innerlich ist man in dem moment ein Wrack. Es wurden noch einige Untersuchungen gemacht wie ein EKG, Lunge Rönttgen, Beine checken und mich auf einen MRSA Keim (Krankenhauskeim) überprüfen.

Ich musste nat. entsprechende Bögen unterschreiben das ich mit einer Amputation einverstanden bin etc. Und da kam mir der gedanke das geteiltes Leid halbes Leid ist und deswegen hab ich ohne eine genaue Diagnose zu schreiben ein Teil dieses Bogens getwitpict.

Wie zu erwarten war, kamen natürlich zig Mentions & DMs auf mich eingeprasselt via Twitter und unzählige Comments auf Facebook die ich in den mom. alle gar nicht „bearbeiten“ konnte, so blieb für viele halt auch die Ungewissheit was da jetzt grad mit mir los ist.

Am nächsten Morgen zur Visite wurde mir dann gesagt, dass es am Abend gegen 17/18H. soweit sei und ich unters Messer komme & mir beide Grosszehen abgenommen werden. Soweit man sich über die nacht schon darauf eingestellt hat, wenn es ernst wird ist man wieder wie am Vortag dieses Wrack (vll. noch ein wenig schlimmer) & hat dieses „Allein“denken…

 

Eine kurze Anekdote muss ich noch aus der OP Vorbereitung schreiben. Die Anästhesieschwester fragte mich ob ich mir den schon etwas schönes ausgedacht habe womit ich einschlafen möchte. Ich so in meiner depressiven Grundstimmung: „Ach bringt doch eh nichts!“ Nach einiger Zeit setzte sie mir dann die Sauerstoffmaske auf & meinte das ich dann meine „schönen Gedanken“ vorkramen könnte. Das nächste was ich hörte war eine Stimme von links die dann meinte: „Wir können das Propofol jetzt spritzen.“ Ich blitzschnell geschaltet: „Propofol? Das ist doch das Zeug was Michael Jackson umgebracht hat! oO“ Tja, und das war mein letzter Gedanke vor der OP. (Nicht grad der schönste! :D)

Nach der OP die 3x solang ging wie angesetzt kam ich erst in den Aufwachraum und dann wieder in mein Einzelzimmer. (Und das als Kassenpatient) Zuerst hatte ich mich nat. bei meiner Mutter gemeldet das es mir den Umständen entsprechend geht etc. dann aber schon gleich wieder bei Twitter & der Empfang war gross, wieder zig Mentions & Comments.

Im Laufe der 17 Tage gab es dann über das Netz soviele fantastische Ereignisse wie z.B. ein Brief von der wunderbaren @miinaaa: Klick

 

Oder vom Bundestagsabgeordneten @kahrs: Klick

 

Meine Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg: Klick

 

Die Abteilung Neu-Hohenschönhausen der SPD Lichtenberg: Klick

Der Vorsitzende der @JusosLbg, @KevinHoenicke: Klick

 

Es kam so sagenhaft viel Besuch von Leuten die man „eigentlich“ nur aus dem Netz kennt dort aber mittlerweile besser als die „normalen Freunde“ weil man halt tagtäglich von ihnen liest und von denen ich es einfach mal nicht erwartet hätte das sie alle vorbei schauen & so Solidarisch sind. Aber dafür liebe ich meine Timeline!!!111EINSELF111!!!

Hier möcht ich unbedingt @DoreenKroeber danken, @AnneMeyerBerlin sowie @AMarkusBerlin, @UngerStefan für das vorbeibringen der #BVVLbg Unterlagen, Dirk Liebe, @Haetscher für die tollen & v.A. lustigen Stories aus dem #WBH (soviel gelacht habe ich ewig nicht mehr) und nat. den Klang der Familie, dann @SolTight sowie @Raketenmensch für das Buch das voller schwarzer Humor steckt: Gott bewahre.Ein dickes Danke geht auch an den Nachbarn im Geiste @krieger_max für die Super kreative Tasse. Beinnah hätte ich in der Besuchsaufzählung noch @rka vergessen der wie viele andere auch dankenswerterweise meine dahinschwinden Koffeinvorräte wieder aufgefüllt hat! Da ich am 30.3. entlassen wurde hat das Treffen mit @ewyler leider nicht mehr geklappt aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Danke auch an den Besuch aus Sachsen-Anhalt von Katharina & Marie! Die letzten denen ich auf der Besuchsliste danken möchte sind meine Nachbarn: Carola, Eberhard, Viorica, Kurt & Monika.ohne sie wäre das Wohnen hier nicht so Klasse und ich freu mich auf die nächsten #HGL Grillabende. Und zu guter letzt gilt es der Familie Dank zu sagen. Meiner Mutter die fast jeden Tag ins Krankenhaus kam um mich zu besuchen & meinen Vater mit den ich durch diese Gesundheitsgeschichte nach ca. 4 Jahren wieder Kontakt habe.

 

DANKE!

 

Nicht unerwähnt lassen möchte ich noch 2 herzensgute menschen aus dem Abgeordnetenhaus mit denen ich mich regelmässig via DM ausgetauscht habe. Zum einen wäre da @RealDeuterium mit dem man wunderbar über das Gesundheitssystem meckern kann & dann die Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses die sich sooft (ja ich glaub sogar fast täglich) nach meinem Befinden erkundigt hat @A_Schillhaneck.

Das zeigt mir das es nicht immer nur um Politik geht sondern das man sich über das Thema Politik kennenlernt aber über das Private schätzen lernt im Netz und die Politik dann in dem Fall nur noch zweitrangig ist. 🙂 

Zum Ende der ganzen Danksagung möcht ich mich noch bei @siegstyle bedanken der sich in seiner Kolumne zu seinen 5 Twitter Geburtstag es sich nicht nehmen liess auch was über mich zu schreiben:

In den 14 Monaten habe ich eine Menge interessante Leute kennen- und schätzen gelernt. Zumindest virtuell. Denen möchte ich heute mit diesem Text ein ausgiebiges #ff geben (auch wenn die meisten es nicht nötig hätten, weil sie sowieso total beliebt sind).

@Wally44 – Ich mag seine Liebe zur Randsportart Eishockey und wünsche ihm, dass er bald aus dem Krankenhaus entlassen wird.

 

Der Wunsch von @siegstyle wurde 3 Tage später auch erfüllt und ich durfte nachhause. Hier bekomme ich nun jeden Tag Besuch von den Schwestern der Hauskrankenpflege die sich rührend um mich kümmern. Danke HKP-Vesper. 😉

 

Wie es jetzt Gesundheitlich weitergeht weiss ich noch nicht. Das steht in den Sternen. irgendwann werde ich wahrscheinlich noch zu einer Reh müssen um wieder richtig laufen zu lernen & im leben wird sich auch einiges ändern, da ich davon ausgehe meinen erlernten Berugf nicht mehr ausüben zu können. Ich habe halt momentan viel viel Zeit um nachzudenken & solche langen Blogposts zu schreiben.

Während sich die „normalen Freunde“ nicht mit Ruhm bekleckert haben in den letzten Wochen und mit abwesenheit glänzten haben mich die Leute aus dem Netz echt positiv überrascht & überwätigt. Diese Solidarität die ich durch die Offenheit meinerseits aus zu spüren bekommen hab ist einmalig. Ich möchte nicht wissen wie es gewesen wär ohne Twitter etc. Dann wär über 17 Tage hinweg nur nachbarn & Familie dagwesen. :/

Die letzten Wochen waren eine prägende Zeit. Ich werd das Wort Freundschaft überdenken müssen. Wer es überhaupt noch verdient dort reinzupassen aber eins ist sicher. Nach den letzten Wochen sind es definitiv mehr leute aus dem Netz auf die das positiverweise Zutrifft!

 

Danke für die Solidarität und den Support! <3

 

euer Wally

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