#WallysHockeyCorner 25

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Zwei fast perfekte Wochen

Es ist geschafft, die Eisbären konnten in den letzten vierzehn Tagen 11 von möglichen 12 Punkten holen. Aber nicht nur für den Hauptstadtclub waren es fast perfekte zwei Wochen seit der letzten #WHC Ausgabe, sondern auch für mich persönlich mit 8 Eishockeyspielen in 17 Tagen in 2 Ländern und 4 Arenen. Dazu unten aber mehr. Viel Spaß bei der neuen Ausgabe von #WallysHockeyCorner.

Eisbären Berlin
Ganz ehrlich, wer hätte gedacht, dass die Eisbären nach knapp der Hälfte der Saison auf Platz 2 der DEL stehen? Ich glaube, die wenigsten. Von daher Chapeau, dass die Mannschaft nach 24 von 52 Spieltagen überraschen konnte und mit 44 Punkten auf dem Konto 4 Punkte hinter Spitzenreiter Mannheim (die allerdings zwei Spiele mehr haben) auf Platz 2 stehen. Zum Platz 2 in der Tabelle hat vor allem das Heimspielwochenende beigetragen, wo die Eisbären als damaliger Tabellendritter gegen den Tabellenersten Mannheim und den bisherigen Tabellenzweiten Iserlohn spielen musste. Beide Partien konnten gewonnen werden. Gegen Mannheim spielten sich die Eisbären fast in einen Rausch mit einem 2. Drittel, in dem sie fünf Mal die Scheibe hinter den Mannheimer Goalies im Netz versenkten. Nach dem zwischenzeitlichen 5:2 gab Dennis Endras auf und machte Platz für den bei den Eisbären altbekannten (gehörte der Organisation zwischen 2004 und 2009 an) Youri Ziffzer, der dann allerdings auch noch das Tor zum 6:2 Endstand kassierte. Die Arena war gegen Mannheim zum ersten Mal in dieser Saison mit 14.200 Zuschauern ausverkauft.

Zwei Tage später fanden 13.829 Zuschauer den Weg in die Arena, um bei einer etwas langatmigen Partie passend zum 2. Advent einen 3:0 Sieg der Hausherren gegen die mit einen Sonderzug angereisten Iserlohn Roosters zu erleben. Petri Vehanen spielte wie schon zuvor wieder fabelhaft und hat sich den Shutout redlich verdient. Das Auswärtswochenende, das die Eisbären vor den beiden Heimspielen absolvierten, führte die Hauptstädter am 27. November nach Ingolstadt und am 29. November nach Schwenningen. Gegen die Panther aus Ingolstadt konnte ein 2:1-Sieg erkämpft werden. Zwei Tage später in Schwenningen bei den Wild Wings gab es dann wohl das verrückteste Spiel der letzten Zeit. In einem offenen Schlagabtausch konnten die Eisbären das Spiel in der Overtime mit 8:7 für sich entscheiden. Hätten die Berliner nicht 10 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit noch den 7:7 Ausgleich kassiert und den Punkt durch die Verlängerung an die Wild Wings verloren, wären es nicht nur zwei fast perfekte Wochen geworden sondern zwei perfekte Wochen.

OSC Berlin und FASS Berlin
Die Eisladies hatten zwei durchwachsene Wochenenden. Zuerst wurde das Heimspielwochenende gegen den DFEL Tabellenführer ECDC Memmingen mit 1:6 und 2:4 verloren ehe das letzte Wochenende bei den Hannover Lady Scorpions 3:6 und 4:5 (n.P.) gewonnen werden konnte. Letzte Woche rutschten die Damen vom OSC in der Tabelle von den 4. auf den 5. Platz ab. Aber durch die beiden Siege in Hannover und da Bergkamen spielfrei hatte, ging es dieses Wochenende wieder hoch auf den 4. Platz.

Nun ist es passiert, FASS Berlin hat zum ersten Mal zweistellig in der Oberliga Nord verloren. Mit 11:1 mussten sich die Akademiker den Moskitos aus Essen geschlagen geben. Zuvor verloren diesmal knapp die Jungs von FASS dem Rostocker EC mit 2:4. Zwei weitere Niederlagen wurden am Wochenende zuvor eingefahren. Gegen den Tabellenführer der Oberliga Nord, die Füchse Duisburg, verlor man 8:3 und gegen den Tabellenzweiten, die Tilburg Trappers aus den Niederlanden, mit 2:9. Damit bleibt FASS Oberligakanonenfutter und steht nach 20 Spielen weiterhin mit 1 Punkt auf dem 18 und damit letzten Tabellenplatz.

Hockeyhopping in der Schweiz
Ende August waren alte Eishockeyfreunde von mir aus der Schweiz zu Besuch in Berlin und irgendwann, lange nach dem CHL Spiel gegen GAP Rapaces, sagte einer der beiden am Fanbogen, dass ich doch auch mal in die Schweiz kommen könnte. Da ich kein Freund von diesem „Man müsste sich mal wieder treffen“-Gerede bin und lieber gleich Nägel mit Köpfen mache, haben wir die DEL- und NLA-Spielpläne verglichen und sind zu dem Entschluss gekommen, dass ich Ende November für sechs Tage nach Zürich fliege. Die ersten Tage sollten etwas Kultur beinhalten und die letzten drei Tage waren vollgepackt mit drei Spielen. Auf der Agenda standen freitags in Zürich ZSC Lions vs. Lausanne HC, am Samstag in der italienischen Schweiz HC Ambri-Piotta vs. ZSC Lions und Sonntag kurz vorm Heimflug Kloten Flyers vs. HC Ambri-Piotta. Zwischenzeitlich kam aber noch das Losglück dazu und im Swiss Hockey Cup wurde den ZSC Lions der HC Ambri-Piotta für den Mittwoch zugelost, so dass ich auf 4 Spiele innerhalb von 6 Tagen kam. Eine größere Hockeyausbeute war wahrlich nicht drin. Einerseits war ich natürlich da, um das Lieblingsteam meiner Freunde (Ambri) zu sehen, andererseits wollte ich natürlich noch einen Blick auf den zukünftigen Nr. 1 Draftpick im NHL Draft 2016, Auston Matthews, werfen, der für den ZSC noch nicht spielberechtigt war als die Lions in Berlin spielten. Zusätzlich zu Matthews lag mir noch am Herzen, noch einmal den zukünftigen Spieler der Washington Capitals, Jonas Siegenthaler, genauer zu beobachten.

Dass ich das Glück hatte, beide Teams drei Mal zu sehen, war schon klasse. Erschreckend war, wie leer das Hallenstadion beim Swiss Hockey Cup am Mittwoch war. Ich dachte, ich hätte bei großen Arenen mit 4.000 Zuschauern in Berlin schon das negative Highlight erlebt, aber 1.921 Zuschauer in einer 10.800 Zuschauer fassenden Arena hat im negativen Sinne alles getoppt, was ich bisher gesehen habe. Von irgendeiner aufkommenden Stimmung außer im Gästesektor von den Ambrifans braucht man gar nicht sprechen. Das Spiel war sehr spannend und es war mitunter ein offener Schlagabtausch, den im Endeffekt die besseren Einzelspieler entschieden. Hier ist z.B. wieder einmal Auston Matthews zu erwähnen, der sich nach seiner Verletzungspause super zurückmeldete und zwei Tore zum 5:2 Sieg des ZSC beisteuerte.

Während ich das Mittwochsspiel im dritten, also obersten Rang verbrachte, verschlug es mich am Freitag mit meiner Begleitung in die dritte Reihe im ersten Rang, direkt hinter die Spielerbande der ZSC Lions. Solch einen Platz hatte ich in den bisher fast 20 Jahren als Hockeyzuschauer noch nicht. Dementsprechend spannend war es für mich, die Spieler und das Trainerteam (insbesondere Stanley-Cup-Sieger Marc Crawford) aus der Nähe zu beobachten, während ich in der Mercedes-Benz Arena in der letzten Reihe des Oberrangs sitze und so natürlich nicht viel davon mitbekomme, was auf der Bank passiert. Kleines persönliches Highlight war dann auch, als der Spielpuck nach drei Spielminuten über die Bande flog und direkt vor meinen Füßen landete. So konnte ich ein wunderbares und einzigartiges Souvenir von der Reise mitbringen.

Dieses Mal war das Hallenstadion mit 9.218 Zuschauern ganz gut gefüllt, aber stimmungsmäßig war es fast kein Unterschied zum Spiel zwei Tage zuvor. In der Organisation von Lausanne gibt es zwei alte Bekannte. Zum einen stand Christobal Huet im Tor, der im Jahr 2005 Torhüter in Mannheim war, gegen den die Eisbären ihre erste von bisher sieben Meisterschaften holen konnten. Zum anderen ist der Trainer von Lausanne Heinz Ehlers. Ehlers spielte zwischen 1997 und 2002 in Berlin für die Capitals. Sein Sohn Nikolaj verdient sich grad erste Sporen in der NHL für die Winnipeg Jets. Die ZSC Lions gewannen das temporeiche Spiel 2:0. Nach einer kurzen Nacht ging es Samstag früh erst nach Luzern um dort Freunde zu treffen und von dort ins Tessin zum HC Ambri-Piotta zu fahren. Da wir frühzeitig planten, konnte ich mir aussuchen, wie wir fahren wollen. Ich hatte mich aufgrund der Landschaft für den Zug entschieden und sollte auch nicht enttäuscht werden. Da wir frühzeitig in Ambri ankamen, hatten wir noch genug Zeit vor dem Spiel die landestypische Küche auszuprobieren. Nach der vermeintlich besten Pizza der Schweiz ging es dann in die kultige Valascia, die ich das letzte mal im Februar 2008 besuchte. Damals beim Tessiner Derby gegen Lugano und nun gegen die Lions aus Zürich. Vor ca. 5.000 Zuschauern gewann der ZSC das dritte Spiel, dass ich von ihm gesehen habe, ungefährdet 1:4.

Man hat deutlich erkannt, warum die Zürcher auf Platz 1 der NLA Tabelle stehen. Trotz neun Verletzter solch eine Leistung mit 4 Spielen in 6 Tagen abzuliefern, verdient höchsten Respekt. Da die Dörfer Ambri und Piotta etwas abseits liegen, gibt es keine Möglichkeit am Samstagabend mit dem Zug von dort wegzukommen. Deswegen haben wir für ein Stück Heimfahrt den Fanbus nach Luzern gewählt, um von dort mit langen Wartezeiten nach Zürich und von dort nach Winterthur zu fahren. Irgendwann gegen 6 Uhr konnte ich dann auch mal vier Stunden schlafen ehe es zum letzten Spiel in der Schweiz zu den Kloten Flyers ging. Da am Abend 20.45 Uhr mein Flug nach Berlin gehen sollte und das Spiel 15.45 Uhr begann, stand ich in der Planungsphase vor der Frage: Wohin mit dem Gepäck während des Spiels? Ich habe freundlich via Twitter bei den Kloten Flyers angefragt und mir wurde erlaubt, meine Koffer während des Spiels im Medienraum unterzubringen. Gerade in der heutigen Zeit nach den Anschlägen von Paris eine nicht selbstverständliche Aktion. Von daher hier auch nochmal vielen lieben Dank an Fabienne Sallenbach von den Kloten Flyers, die das ermöglichte.

Von der Arena in Kloten hab ich im Nachhinein eine ambivalente Meinung. Auf der einen Seite kompakt und modern, auf der anderen Seite aber doch irgendwie altbacken durch das Holz und den abgetrennten Gästefanbereich. Es war aber spannend, in drei verschiedenen Arenen in der Schweiz zu sein, während in Deutschland die Arenen immer austauschbarer werden. Vor dem Spiel wurden eine Reihe alter Klotenspieler mit Bannern unter dem Hallendach geehrt wie z.B. Reto Pavoni, der z.B. auch in Deutschland bei Krefeld und Landshut spielte, oder Felix Hollenstein, der Co Trainer der Schweizer Nationalmannschaft. Besonders gut hat mir das Trikot der Flyers gefallen, die im Retro Look antraten. Ambri konnte auch im dritten Spiel, das ich von ihnen sah, keinen Blumentopf gewinnen und verlor gegen das alte Team von Micki DuPont und Mark Olver 7:4. Gefreut habe ich mich, den alten Schweizer Goalie Martin Gerber noch einmal sehen zu dürfen, der einige Jahre in der NHL spielte. Nach dem Spiel brachte mich mein Gastgeber noch zum zwei Kilometer von der Arena entfernten Flughafen und dann ging es auch direkt nach Berlin. Montag kurz nach 0 Uhr war ich dann wieder zuhause von der letzten Reise des Jahres 2015.

Um mal ein Fazit zu ziehen von den vier Schweizer Spielen: Das war schon mindestens eine Klasse besser als das Hockey, das in der DEL gespielt wird. Beachtenswert war auch, dass es bis auf das NLA-Spiel in Zürich keinerlei Show vor dem Spiel gab. Weder beim Cup-Spiel in Zürich noch bei den Spielen in Ambri und Kloten. Wenn ich mal Revue passieren lasse, was das Reisen hockeytechnisch alles gebracht hat, war es kein schlechtes Jahr. Im Mai die Weltmeisterschaft in Tschechien, im Oktober in der österreichischen EBEL und nun im November in der Schweizer NLA. Mal sehen, was 2016 so zu bieten hat. Geplant ist da noch nichts. Was allerdings schon vorgesehen ist, ist ein Besuch der Eishockey Weltmeisterschaft 2017 in Paris, verbunden mit einen netten Kulturprogramm.

Diverses:
Mitte September berichtete ich in #WHC davon, dass die Nummer 20 von Denis Pederson nicht mehr vergeben wird. Mittlerweile ist nun auch das Datum der Trikotzeremonie bekannt. Am 26.Dezember soll der Banner mit der 20 von Pederson neben die 19 von Beaufait, die 11 von Felski und die 27 von Walker unter das Dach der Mercedes-Benz Arena gezogen werden.
Kai Wissmann und Can Matthäs wurden in den erweiterten Kader der U20 Nationalmannschaft berufen und hoffen auf einen Einsatz bei der U20 Weltmeisterschaft der Division I in Wien vom 13. – 19.Dezember.

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Ciao and Take care!

Wally #WHC

Original erschienen bei lichtenbergmarzahnplus.de