#WallysHockeyCorner 09

Eisbären planen die Zukunft

Huch, was ist alles in den letzten beiden Wochen passiert?! Nach drei Siegen in Folge entließen die Eisbären ihren bisherigen Headcoach Jeff Tomlinson (dessen Vertrag in der Hauptstadt zum Saisonende eh ausgelaufen wäre) und verpflichteten den zweifachen Stanley Cup Sieger (mit Colorado Avalanche 1996 und Detroit Red Wings 2002) Uwe Krupp als Nachfolger genau an dem Tag, an dem sich Krupp mit seinem früheren Team (Kölner Haie) im letzten Moment über eine Abfindung geeinigt hatte bevor es vors Arbeitsgericht gegangen wäre. Die Entlassung von Tommer ist für mich persönlich absolut schade, da ich immer positive Erinnerungen an Jeff Tomlinson hatte. Aus sportlicher Sicht, und wenn man in die Zukunft schaut, ist aber die Verpflichtung von Uwe Krupp der richtige Schritt. Krupp unterschrieb einen Vertrag bis 2017 und wird so sicher das eine oder andere Wörtchen zur Kaderplanung mit Sportdirektor Stefan Ustorf und General Manager Peter-John Lee mitsprechen.

„Machs jut Tommer – Willkommen Uwe!!!“
Sportlich gesehen lief die letzte Woche der Eisbären ganz gut. So konnten die Berliner am 10. Dezember in Nürnberg bei den Ice Tigers 1:3 gewinnen. Zwei Tage später ging das Spiel in Schwenningen bei den Wild Wings mit 2:4 an die Eisbären. Beim Sonntags-Heimspiel, welches auch das letzte unter Headcoach Jeff Tomlinson war, gab es einen knappen 4:3 Erfolg nach Penaltyschießen gegen die Hamburg Freezers. Dieses Spiel gegen Hamburg war auch das erste Match, wo die Fans anfingen, das Team auszupfeifen und ihren Unmut über die Spielweise an den Tag zu legen. Vor dem Spiel gab es ein Banner, auf dem stand: „Die Geduld ist fast am Ende. Kämpft und schafft die Wende“. Dieses Statement war unmissverständlich und letztendlich wurde die Reißleine gezogen und das erste Mal seit 2002 wieder ein Trainer (damals Uli Egen) in Berlin entlassen. Vielleicht schafft es ja der Nachfolger von Tommer, eine ähnliche Dynastie aufzubauen, wie sie damals der Nachfolger von Egen, Pierre Pagé, begründete.

Die beiden ersten Spiele mit Uwe Krupp an der Bande konnten die Eisbären für sich entscheiden und ihre Siegesserie auf fünf gewonnene Spiele ausbauen. Am 19. Dezember gewannen die Eisbären 2:0 gegen Straubing (von der Fankurve gab es Banner mit „Machs jut Tommer – Willkommen Uwe!!!“). Zwei Tage später (bei der großen Sonderzugfahrt mit über 800 Eisbärenfans) wurde 6:2 in Augsburg gewonnen. So langsam kommen somit auch die Eisbären in Fahrt. Zurzeit sind es nur noch 4 Punkte bis zum 3. Tabellenplatz. Vor Wochen bezeichnete Ex-Trainer Jeff Tomlinson noch Platz 4 als Saisonziel. Das ist mittlerweile näher als mancher Fan damals dachte.

Zum Jahresende stehen wieder jede Menge Spiele auf dem Programm. In der Weihnachtswoche geht es zwei Mal in der o2 World gegen Köln und Wolfsburg. Das Spiel am 26.12. wird ein besonderes Spiel für Steve Walker sein. Der ehemalige Captain kommt wieder nach Berlin, weil er wie vor ihm Mark Beaufait und Sven Felski geehrt wird und ein Banner mit seinem Namen und seiner 27 unters Hallendach gezogen wird. Diese Nummer wird somit nie wieder vergeben.

Am 25.12. jährt sich auch meine erste Auswärtsfahrt. Diese ging damals im Jahr 2002 nach Ingolstadt in das Eisstadion an der Jahnstraße. Viele weitere Auswärtsfahrten sollten in den nächsten Jahren folgen. Apropos Ingolstadt: Gegen die Panther bestreiten die Eisbären ihr letztes DEL Heimspiel im Jahr 2014 am 30. Dezember. Zwei Tage zuvor geht es nochmal nach Iserlohn zu den Roosters. Zwei Eisbären verbringen den Jahreswechsel im Heimatland des Eishockeys bei der U20 Weltmeisterschaft in Kanada. Kai Wissmann und Jonas Müller fehlen somit in den nächsten Spielen.

OSC Berlin und FASS Berlin
Nachdem die Eisladies am 9. DFEL Spieltag frei hatten, ging es am 10. Spieltag gegen den EC Bergkamen. Das erste Spiel ging mit 6:3 an die Berlinerinnen. Beim nächsten Spiel tags darauf mussten die Eisladies nachsitzen und ins Penaltyschießen. Dort gewannen sie mit 4:3 gegen Bergkamen. Bis zum 17. Januar 2015 hat die DFEL jetzt Spielpause. Zwischen dem 19. und 21. Dezember spielte die Eishockeynationalmannschaft der Damen bei der Euro Hockey Challenge im schwedischen Uppsala. Im Kader waren auch fünf Berliner Spielerinnen. Nach den Niederlagen beim Turnier gegen Finnland, Russland und Schweden belegte das Team der DEB Damen den letzten Platz.
Die Akademiker von FASS Berlin konnten am 12. und 13. Dezember die Erfurt Black Dragons und Tornado Niesky ins Penaltyschießen bringen. Dort unterlag man mit 3:4 und 3:2. Eine herbe Klatsche gab es am 21. Dezember in Erfurt bei den Black Dragons. Dort ging man 9:2 unter.

Filmkritik: „Red Army“ – Legenden auf dem Eis
Vorsicht: Die Kritik enthält einen Spoiler! Am 9. Dezember war ich auf Einladung von Hockeyweb und Weltkino zur Pressevorführung des Eishockeydokumentarfilms „Red Army“ im kleinen und gemütlichen Kino „filmkunst 66“. Regisseur Gabe Polsky zauberte einen mitreißenden und höchst interessanten Film, in dem der ehemalige russische Topverteidiger und russische Sportminister Slava Fetisov von seiner Jugendzeit beim Armeeklub ZSKA Moskau berichtet, über die Nationalmannschaft der Sowjetunion sowie über die Verhältnisse zu den Teamkameraden und die Trainer Tarasov sowie den am 24. November verstorbenen Tichonov. Im 76 Minuten langen Film kommt allerdings nicht nur Slava Fetisov zu Wort sondern auch seine Frau, ehemalige Weggefährten und diverse Journalisten. Der Film zeigt, wie Spieler kurz vor dem Ende der Sowjetunion anfangen gegen die menschenverachtenden Trainingsmethoden von Trainer Tichonow zu rebellieren und sich Fetisov mit der Obrigkeit in der UdSSR anlegt bis hoch zum Verteidigungsminister, der ihn schließlich aus der Armee und somit auch von ZSKA Moskau entlässt. Fetisov kann damit nach Nordamerika in die NHL wechseln und wird Wegbereiter für so viele russische Spieler. Anfangs schlägt einzelnen russischen Spielern geballter Rassismus entgegen von Journalisten (wie z.B. Don Cherry, der sagte, dass man die Spieler aus Russland nicht wolle) und nordamerikanischen Spielern, die Angst haben, dass die Spieler aus der Sowjetunion ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. Heute ist so eine Einstellung zum Glück undenkbar. Die NHL hat sich zu der Weltliga schlechthin entwickelt, in der die besten Spieler aus Nordamerika UND Europa gleichberechtigt miteinander spielen. Zum Glück zählt nur noch die Leistung und nicht die Nationalität.
Das erinnert mich an ein Zitat von ehemaligen Eisbären Manager Lorenz Funk. „Bei den Eisbären ist egal, ob du ein Chinese bist… Hauptsache du spielst gut!“ Nach einigen mehr oder weniger guten Jahren bei den Devils aus New Jersey wechselt Fetisov zu den Detroit Red Wings, die bis zu den Zeitpunkt schon vier russische Spieler haben, aber noch einen weiteren Verteidiger brauchen, um ihren Block vollzubekommen und die gegnerischen Reihen schwindlig zu spielen. Im Endeffekt gewinnen die Red Wings aus Detroit 1997 und (leider) auch 1998 gegen meine Capitals aus Washington den Stanley Cup und Fetisov kann somit seine eindrucksvolle Karriere krönen. 2002 wird Fetisov von Putin zum Sportminister ernannt. Diesen Posten übt er sechs Jahre lang aus.

Der Film, der am 29. Januar 2015 in die Kinos kommt, ist sehr empfehlenswert. Ich werde ihn mir garantiert noch einmal ansehen und mir, wenn es soweit ist, auch die Blu-Ray zulegen. Man lernt sehr viel über die damalige Zeit im Eishockey und hat sicher auch den einen oder anderen Aha-Effekt. Von mir gibt es 9/10 Punkte, da der Film als Dokumentation für den neutralen Zuschauer sehr sehenswert ist, aber auch der Hockeynerd, wie ich einer bin, noch etwas dazulernen kann.

Was macht eigentlich…
Rob Zepp? Zepper, der vor der Saison mit 33 Jahren noch einmal den Sprung nach Nordamerika in die Heimat wagte, wurde aufgrund der Verletzung des ersten Torwarts der Philadelphia Flyers vom AHL Farmteam Lehigh Valley Phantoms ins NHL Team berufen und absolvierte am 21. Dezember sein erstes NHL Spiel. Damit war er seit 88 Jahren der älteste Debütant (Rookie) im Tor bei einem NHL Spiel. Der letzte war 1926 der 42-jährige Hugh Lehman.

In eigener Sache
In der Ausgabe 144 des Fanmagazins Eis-Dynamo wird ein Interview mit mir zu meiner Kolumne hier bei LichtenbergMarzahnPlus.de zu finden sein. Erhältlich ist das Fanzine, welches seit 20 Jahren einen festen Platz in der Fankultur der Eisbären Berlin hat, ab 4. Januar 2015 in der o2 World zum Preis von 2,50 EUR.

Zum Ende der letzten Kolumne im Jahr 2014 bleibt mir nur, mich bei meinen Lesern zu bedanken, euch ein Frohes Fest und einen fleißigen Weihnachtsmann zu wünschen sowie einen Guten Rutsch.
Wir lesen uns 2015 wieder!

Ciao and Take care!

Wally #WHC

Original erschienen bei lichtenbergmarzahnplus.de

Wally44

Wally oder wie ihn seine Eltern kennen, Christian betreibt d. Blog wally44.de erst seit dem Jahr 2014. Zurzeit schreibt er nebenbei noch bei thebighockeytheory.de als Hockey Writer und hat seine Kolumne #WallysHockeyCorner bei lichtenbergmarzahnplus.de. #WHC

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